Bože Dźěćatko

In der Adventszeit kann man manchmal in Hoyerswerda auf eine mystische Gestalt treffen.

 

In eine prächtige Tracht gekleidet, das Gesicht hinter einem weißen Schleier verborgen, geht es schweigend umher. Wörtlich übersetzt heißt es „Gotteskindlein“, aber in der Region wird es auch sorbisches Bescherkind genannt.

 

Es berührt mit einer bunt geschmückten Rute aus frisch geschnittenen Reisern die Menschen, die ihm begegnen an Schulter und Arm. Kleinen Kindern, die sich vielleicht vor der Rute fürchten würden, streicht es mit der behandschuhten Hand sanft über die Wange.

 

Man sagt, dass es die Menschen segnet und Gesundheit für das kommende Jahr bringt. Doch schon in vorchristlicher Zeit glaubte man, durch das Streichen mit frischen Birkenzweigen die Lebenskraft, die innewohnt, auf die Menschen zu übertragen. Im letzten Jahrhundert war es vor allem ein Brauch, der sich in den Spinnstuben der Lausitz erhalten hat, wobei in verschiedenen Regionen unterschiedliche Trachten verwendet werden.

 

In Hoyerswerda wird dieser alte sorbische Brauch auf Initiative des Regionalkulturvereines Mittlere Lausitz e.V. seit den 1990er Jahren wieder gepflegt.